Diskussion über 4600 Einwände gegen die Fernwärmetrasse

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Volker Gajewski (l.), Manfred Braatsch und weitere Aktivisten äußern ihre Bedenken gegen die Fernwärmetrasse (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Volker Gajewski (l.), Manfred Braatsch und weitere Aktivisten äußern ihre Bedenken gegen die Fernwärmetrasse (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Der Energiekonzern Vattenfall will von dem Kohlekraftwerk Moorburg aus eine 12 Kilometer lange Fernwärmetrasse bis zu der Pumpstation Haferweg in Altona bauen. Am Freitagmorgen begann nun die Erörterung der über 4600 eingegangenen Einwände gegen das Bauvorhaben in den Messehallen. Der BUND steht dem Verfahren weiterhin sehr kritisch gegenüber.

Der Termin am Freitagmorgen war für alle Betroffenen und diejenigen, die Einwände eingereicht haben, zugänglich. Als betroffen gelten alle Menschen, die in einem Umkreis von 100 Metern von der geplanten Fernwärmetrasse entfernt leben.
„Wir haben 800 Stühle für die Teilnehmer aufgestellt. Heute kamen 60 bis 70 Menschen“, sagt Volker Dumann, Sprecher der BSU. Vattenfall wird bei dem Erörterungstermin von 18 bis 20 Personen vertreten.

Um viertel nach zwölf nahm der BUND zusammen mit weiteren Initiativen, die sich gegen den Bau der Trasse einsetzten, Stellung zu dem Erörterungstermin und dem Vorhaben des Energiekonzerns.


Mit Schildern und Transparenten protestierten Betroffene und Initiativen gegen das Bauvorhaben

Mit Schildern und Transparenten protestierten Betroffene und Initiativen gegen das Bauvorhaben

Ein Teil der Fernwärmetrasse soll unter dem Dock 17 der Blohm und Voss Werft entlanglaufen. „Die Firma hat das Bauvorhaben von eigenen Gutachtern überprüfen lassen, und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Untertunnelung des Docks als sehr kritisch einzuschätzen ist“, sagt Manfred Braasch vom BUND Hamburg. „Das wirft ein ganz neues Licht auf die Sicherheit der Trasse und unserer Meinung nach hätte der Erörterungstermin für heute aufgehoben werden sollen, bis neue Ergebnisse vorliegen“, fügt er hinzu.

Auch Volker Gajewski von der Initiative „Moorburgtrasse stoppen“ schätzt die Situation weiterhin als sehr ungeklärt und nicht zufriedenstellend ein. „Jutta Blankau und Olaf Scholz unterstützen das Projekt. Außerdem wurde die Plangenehmigung nicht zurückgezogen. Deshalb gehen wir davon aus, dass Vattenfall die Baugenehmigung erteilt werden wird“. Er fordert, dass das Bauvorhaben noch einmal überdacht wird. „Die Auswirkungen sind riesig, zum Beispiel auch für die Endo-Klinik, die nur acht Meter von der geplanten Trasse entfernt ist“, kritisiert er. „Der Klinik werden die Patienten weglaufen, diese ganze Trasse ist ein Skandal“, pflichtet ihm Astrid Matthiae von der Initiative „Moorburgtrasse stoppen“ bei.


Der BUND hofft, die Baugenehmigung verhindern zu können

Der BUND hofft, die Baugenehmigung verhindern zu können

Anwältin Dr. Roda Verheyen vertritt die Interessen der Betroffenen. „Meiner Meinung nach ist das Bauvorhaben so nicht genehmigungsfähig. So ein Bau kann nur durchgeführt werden, wenn er im Interesse aller ist. Außerdem birgt der Tunnelbau Risiken, da es zu starken Erschütterungen kommen wird“, erklärt Verheyen die Problematik.

Vattenfall hatte sich schon 2007 von den Eigentümern der Grundstücke, unter der die Fernwärmetrasse entlang laufen soll, eine Erlaubnis eingeholt, unter ihren Grundstücken zu bauen. „Vattenfall hatte die Eigentümer jedoch nicht genügend über die Risiken aufgeklärt. Deshalb wollen wir jetzt probieren, diese Genehmigungen zu wiederrufen“, erläutert die Anwältin. Die Erfolgschancen, dieses Verfahren zu gewinnen, schätzt die Anwältin positiv ein: „Wenn wir durch ein Gutachten darlegen können, dass der Bau Risiken birgt, könnten wir eine gute Chance haben“.

Da der Bau der Fernwärmetrasse noch nicht offiziell genehmigt ist, werden die Ergebnisse dieser Erörterung für den Entscheidungsprozess sehr wichtig sein. „Diese Veranstaltung ist für Anwohner und Betroffene eine hervorragende Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern“, erläutert Volker Dumann weiter.


Auch Greenpeace ist gegen die Fernwärmetrasse

Auch Greenpeace ist gegen die Fernwärmetrasse

Die Gegner der Fernwärmetrasse planen dennoch weiterhin Proteste. „Es hat sich noch nichts geändert, die Trasse soll immer noch mitten durch St. Pauli und Altona laufen. Deshalb werden wir auch weiter auf den Bäumen und Straßen demonstrieren“, sagt Ute Bertrand von der Initiative Robin Wood. Aktivisten hatten 2009 die Bäume im Gählerpark besetzt, durch den die Fernwärmetrasse laufen soll.

Die Erörterung begann Freitag um acht Uhr in den Messehallen und soll auch an den folgenden Werktagen von jeweils 8.00 bis 17:30 Uhr andauern. „Die Erörterung läuft solange, bis alle Fragen und Einwände geklärt worden sind. Bis auf die letzte Nachfrage. Das wird vermutlich bis Mittwoch dauern“, erläutert Volker Dumann.

Antonia Eser-Ruperti

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