Der Hamburger Kiez bekommt ein „Klubhaus“

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Der Siegerentwurf für das von Corny Littmann, Norbert Aust und Partner Axel Strehlitz geplante "Klubhaus" auf dem Spielbudenplatz (Bild: bbp / moka studio)

Der Siegerentwurf für das von Corny Littmann, Norbert Aust und Partner Axel Strehlitz geplante "Klubhaus" auf dem Spielbudenplatz (Bild: bbp / moka studio)

Da, wo jetzt noch ein unscheinbares weißes Gebäude steht, wird sich, wenn es nach dem hochfliegenden Plan der Bauherren geht, bis zum Herbst 2013 ein spektakulärer Neubau erheben. Direkt am Spielbudenplatz, zwischen dem Docks und dem Schmidt-Theater soll – so lautet der Plan von Corny Littmann, Norbert Aust und Axel Strehlitz – ein Zentrum für Livemusik, Theater und Gastronomie entstehen, Projektname „Klubhaus“.

Die Betreiber des Schmidt-Theaters haben sich mit dem Gastronomen Axel Strehlitz zusammengeschlossen, der unter anderem die in der jetzigen Bausubstanz gelegenen Bars Sommersalon und On Air betreibt. Zusammen mit der Projektentwicklungsgesellschaft Urban Space entstand das Konzept eines kulturellen Multifunktionsgebäudes.

Den Sieger des Fassadenwettbewerbs stellten alle Projektbeteiligten gestern in einer Pressekonferenz vor. Das Wort „spektakulär“ fällt erstaunlich oft. Nicht ganz zu Unrecht. Wenn der Entwurf in dieser Form genehmigt, finanziert und gebaut wird, bekommt der Spielbudenplatz ein neues Highlight im Wortsinn. Denn Littmann, Aust und Strehlitz schwebt kein gesichtsloser Klotz, sondern ein sechsgeschossiger, leuchtender, blinkender Prestigebau vor, für das die Planer das Wortkonglomerat „Mediatektur“, eine Verschmelzung von Medien und Architektur, bemühen.

Die Fassade soll komplett mit durchscheinenden Rechtecken verkleidet werden, die nicht nur farbig leuchten, sondern sich mit beliebigen Videoinhalten bespielen lassen. Mit ihr soll auch ein Teil der mit etwa 14 Millionen Euro veranschlagten Baukosten wieder hereingeholt werden. Geplant ist, neben eher künstlerisch anmutenden Animationen und Eigenwerbung für die Betriebe im „Klubhaus“ auch Fremdwerbung über die Schirme flimmern zu lassen. Im Inneren des Gebäudes sollen verschiedene kulturnahe Betriebe und Büros entstehen. Fest gebucht sind bislang Strehlitz‘ Sommersalon und das Kukuun, ein weiterer kleiner Ableger des Schmidt. Wer von außerhalb noch Begehrlichkeiten angemeldet hat, das wollte Aust noch nicht verraten, nur, dass man bereits mehr Interessenten als Mietfläche habe.

Immer wieder betonen sie, dass ihnen die Stärkung der Livemusikszene Hamburgs am Herzen liege. Fünf Musikklubs sollen es insgesamt werden, mit einer Kapazität zwischen 150 und 400 Leuten. Genau von diesen kleinen Läden gäbe es viel zu wenige auf dem Kiez, sagte auch Julia Staron vom Kukuun. Newcomer hätten es schwer, attraktive Auftrittsorte zu finden, das „Klubhaus“ sei in der Lage, diese Lücke zu schließen.

Große Vorfreude, gar Euphorie herrscht bei allen, die am Gebäudekomplex mitarbeiten. Man habe Hand in Hand mit Bezirk und Behörden gearbeitet, schließlich ließe sich so ein Projekt nur mit, nicht gegen die Stadt durchsetzen, sagte Aust. Auch Oberbaudirektor Jörn Walter, der Teil der Jury war, die den Entwurf des Architekturbüros Akyol/Kamps und des Kreativunternehmens Urbanscreen, das für die Multimedia-Fassade verantwortlich ist, auswählten, ist überzeugt von der Strahlkraft des „Klubhauses“. Corny Littmann versteigt sich sogar zu der Hoffnung, mit dem Projekt internationale Beachtung – nach Möglichkeit kulturell, zumindest aber bei Amateur- und Profifotografen – finden zu können, und betonte, dass auch der Bezirk vom „Klubhaus“ überzeugt sei. Der zuständige Bezirksamtschef Markus Schreiber unterstützt den architektonischen Vorstoß ebenfalls: Die Bauherren hätten „ein tolles Konzept mit einer spektakulären Fassade“ vorgelegt.

Und selbst bei den direkten Nachbarn überwiegt die Vorfreude. Leo, die Geschäftsführerin des Docks, sieht den Komplex als Belebung, nicht als Konkurrenz und freut sich darüber, dass „ihre“ Seite des Kiezes weiter belebt wird, mit „Musik und Vergnügen“ statt eines weiteren Hotels. Sie hat nur etwas Angst, „dass durch die Neubauten der Kiez irgendwann einmal nicht mehr wie der Kiez aussieht“.

Alexander Josefowicz

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