„Der Kaiser soll bleiben, wo er ist“

{lang: 'de'}

Das 5,5 Meter hohe Standbild Kaiser Wilhelms I. in Planten un Blomen (Bild: K. Bodig)

Das 5,5 Meter hohe Standbild Kaiser Wilhelms I. in Planten un Blomen (Bild: K. Bodig)

Befremden und Widerspruch – so lassen sich die Reaktionen auf die Forderung zusammenfassen, das Denkmal von Kaiser Wilhelm I. wieder auf dem Rathausmarkt aufzustellen. „So etwas sollte auch den Bürgerinnen und Bürgern gefallen. Und es müsste den öffentlichen Raum verschönern“, sagte der stellvertretende Senatssprecher Jörg Schmoll gestern. „Ob das hier der Fall wäre, ist fraglich.“

Der Vorstoß für die monarchische Rückholaktion stammt von dem emeritierten Politikprofessor Hans J. Kleinsteuber, der sich damit in die Debatte um die Belebung des Platzes eingeschaltet hatte. Dieser, so seine Argumentation in einem Abendblatt-Beitrag, trage seit der Entfernung des Reiterstandbilds und dem Umbau zum Verkehrsknotenpunkt im Jahr 1930 „eine Wunde“. „Hamburg ging die urbane Mitte verloren.“ Um das zu ändern, müsse das Ensemble, das seit 1961 in Planten un Blomen steht, zurück auf den Rathausmarkt.

Viele Hamburger reagierten empört, auch in Leserbriefen an diese Zeitung. „Es ist ein falsches Signal, wenn an einem so zentralen Ort wieder ein Symbol für das Kaiserreich und seine fatale Politik stünde“, sagte Pastor Ulrich Hentschel, der bei der Evangelischen Akademie der Nordelbischen Kirche für die Erinnerungskultur zuständig ist und sich auch für eine Umgestaltung der Wilhelm-I.-Statue vor dem Altonaer Rathaus einsetzt. „Der Kaiser soll bleiben, wo er ist.“ Ähnlich sieht es auch die Kunst- und Kulturhistorikerin Elisabeth von Dücker. „Das wäre sehr, sehr peinlich. Die ganze Republik würde darüber lachen.“ Wichtiger sei, dass Heinrich Heine auf dem Rathausmarkt seinen Platz habe.

Auch bei den Rathaus-Politikern sorgte der Vorschlag für Kopfschütteln. „Man muss nicht jeden Zustand wiederherstellen. Das führt zu nichts“, sagte die Kulturexpertin der SPD, Gabi Dobusch. Zudem habe man dringendere Probleme. Die CDU-Fraktion reagierte etwas ratlos. Man müsse das prüfen, sagte eine Sprecherin. Auch bei der GAL gibt es Zweifel. „Den Rathausmarkt anders als bislang mit dem Stuttgarter Weindorf zur urbanen Mitte zu machen hat Chancen“, sagte die kulturpolitische Sprecherin Christa Goetsch. Ob das mit Kaiser Wilhelm I. gelänge, sei zu bezweifeln. „Er ist keine Identifikationsfigur für die Hamburger.“ (mik)

Lesen Sie auch: Warum der Kaiser wieder vors Rathaus soll

{lang: 'de'}
Be Sociable, Share!
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.