Ein Buch über die Jugend auf St. Pauli. Was passt da besser, als dieses auf dem Kiez vorzustellen. Das dachte sich auch der Autor Konrad Lorenz und lud am Donnerstagabend zu der Vorstellung seines neuen Buches „Rohrkrepierer“ in das St. Pauli Museum, Davidstraße 17. Im leicht schummrigen Licht fanden die Zuhörer in einem kleinen Ausstellungsraum des Museums Platz, umgeben von Erinnerungen an den Kiez. Eine Stunde lang gab Konrad Lorenz einen Auszug aus seinem (fast) autobiografischen Werk, in dem er seine Jugend zwischen 1942 und 1962 auf St. Pauli beschreibt. Der Roman handelt von Kalle und seinen jugendlich, naiven Erfahrungen auf der Reeperbahn, von den ersten Kontakten mit „leichten“ Mädchen in der Herbertstraße und von der ersten Liebe.
„Für uns, die wir hier aufwuchsen, war das Umfeld eine Herausforderung und, genauer gesagt, wohl eine Überforderung. Unsere Aufklärung fand auf der Straße statt. Und dafür war das „Gewerbe“, das ja nur ein Zerrspiegel seines spießbürgerlichen Umfeldes sein konnte, wenig geeignet“, schreibt Lorenz selbst im Nachwort seines Romans.
Wiedersehen nach 60 Jahren
Liselotte, die Konrad Lorenz in einer seiner Geschichten beschreibt und in die er sich als zehnjähriger Junge verliebte saß an diesem Abend in der ersten Reihe und lauschte seiner Lesung. Ein ganz besonderes Ereignis, da sich die beiden seit 60 Jahren nicht mehr gesehen hatten und an diesem Abend ihr Wiedersehen feiern konnten. Die lebendigen Anekdoten des Autors über die Naivität und Unbedarftheit der Jugendlichen beim Dirnen-Besuch auf der Herbertstraße sorgten im Publikum für Erheiterung und Gelächter. Vor allem die betagteren Zuhörer konnten sich wahrscheinlich in seine eigene Jugend auf St. Pauli zurückversetzen. Mit seiner bildhaften Sprache ließ Lorenz Kino im Kopf entstehen. Authentisch wurde das Ganze durch die lockere, hamburgische Vortragsweise des Autors, der zudem zwischen verschiedenen Absätzen mit seiner kleinen Drehorgel „Auf der Reeperbahn nachts um halb 1“ einspielte.
Doch so heiter das auch anmutet: „Rohrkrepierer“ ist kein Buch mit Happy End. „Es sind viele kleine Geschichten, aber die gehen alle nach hinten los“, beschreibt der Autor seinen Roman. Auch wenn es in seinem Buch keines gibt- an diesem Abend gab es ein kleines Happy End, als sich Konrad Lorenz und seine Liselotte nach 60 Jahren endlich wieder trafen.
„Rohrkrepierer“ ist ein wahres Muss für jeden St. Paulianer – und nicht nur für die ältere Generation.
Christina Lachnitt
Konrad Lorenz: „Rohrkrepierer. Eine Jugend auf St. Pauli“. Edition Temmen
Zum Autor:
Konrad Lorenz wurde 1942 in St. Pauli geboren. Seit den 1960er Jahren erschienen zahlreiche Kurzgeschichten, 1992 brachte er seinen Roman „Nachtschattenspiel“ heraus





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Nach 60 Jahren Wiedersehen feiern und dies anlässlich des Buches, in dem beide vorkommen! Toll! Geschichten die das Leben schreibt!!
P.S.: Vielen Dank für den schönen Artikel:-)