Frage der Woche (9): Welche Läden gibt es in Deinem Quartier im Überfluss und welche vermisst Du?

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Jede Woche beantworten die Stadtteilreporter eine Frage zu ihrem Viertel. Diese Woche geht es um die Vielfalt an Geschäften. Hier reiht sich eine Apotheke an die nächste, aber weit und breit ist kein Schneider zu finden. In der nächsten Einkaufsmeile kann man zwischen 20 Bäckern wählen, sucht aber verzweifelt nach einem guten Floristen. Wie sieht es in Deinem Viertel aus?

Stadtteilreporter Ole Zeisler:

Das Molotow wartet auf seine rockliebenden Besucher am Spielbudenplatz 5

Das Molotow wartet auf seine rockliebenden Besucher am Spielbudenplatz 5 (Bild: O. Zeisler)

Beim Einkaufen vermisse ich eigentlich nicht viel auf St. Pauli. An Läden im Sinne von Einkaufsmöglichkeiten habe ich alles – vom Discounter über Supermarkt und Bio-Gemüsehändler bis zu Handy-Läden (zugegeben, die gibt’s in vielfältiger Hülle und Fülle, sind aber unterschätzt, da ich da jegliche Kabel, Handyaufladegeräte, Duschköpfe und so weiter für die schnelle Abhilfe finde). Zum Shoppen, was die Kleidung angeht, fahre ich eben nach Altona, in die Schanze oder in die Innenstadt, da mir der Ed-Hardy-Stil in den Reeperbahn-Shops etwas „modesündig“ daherkommt. Aber das ist auch kein Problem.

Da in neudeutschem Sprachgebrauch unter „Läden“ ja auch Ausgehoptionen fallen und ich diese jugendliche Sprache (noch) beherrsche, habe ich diesbezüglich etwas zu bemängeln: Auf St. Pauli gibt es zu viele Clubs, Discos und Bars, die auf Publikum mit Chart-Musik und „Flatrate-Trink-Bedürfnissen“ abzielen. Oder gleich den ganzen Abend sogenannte „Black Music“ spielen, zu denen Möchtegern-Gangster frivol und unrhythmisch ihre schmalen Hüften kreisen lassen. Leider reihen sich diese Clubs zu sehr aneinander und lassen jeglichen Überraschungseffekt und Platz für neue Nischen vermissen.

Dass es unterschiedliche Musikgeschmäcker und Tanzbedürfnisse gibt, völlig klar!  Dass auch die unzähligen Feiertouristen „bedient“ werden müssen, verstehe ich auch gerade noch. Mir fehlt auf St. Pauli lediglich die so oft angepriesene Vielfalt. Denn mit dem „Molotow“ gibt es auf dem Kiez nur noch einen „Laden“ mit suburbanem Charakter, welcher sich in der Musikauswahl und dem authentischem Keller-Charme wiederspiegelt.


Zu viel Portugal im Portugiesenviertel? (Bild: P. Kühn)

Zu viel Portugal im Portugiesenviertel? (Bild: P. Kühn)

Stadtteilreporter Philip Kühn:

Die Lage auf St. Pauli war dramatisch. Jahrzehntelang gab es überproportional viele zwielichtige Etablissements, schmuddelige Bars und unangepasste Clubs. Ein Umstand dem man mit aller Entschlossenheit entgegen zu treten versuchte. Mit Erfolg: Heute finden sich hier wesentlich mehr Tanztempel mit dem unverwechselbaren Charme von Großraumdiskotheken und ansprechende Lounges, in denen man Cocktails mit unaussprechlichen Namen zu sich nehmen kann. De facto mehr Vielfalt! Fehlt nur noch, dass das horizontale Gewerbe Senkrechtstartern aus der Werbe- und Medienbranche Platz macht.

Immer noch viel zu einseitig gestaltet sich die Szenerie hier im benachbarten Portugiesenviertel. Auf gut einem Quadratkilometer existieren circa 27 portugiesische Restaurants und noch mal genau so viele Cafés. Ein unhaltbarer Zustand. Immer mehr Anwohner beklagen – kein Scherz – die steigende Anzahl von „Galao-Tempeln“ und echauffieren sich über südländisch-gelassenen Umgang mit den strengen Gehwegsnutzungsvorschriften. Zeit für ein Umdenken. Zwangsenteignung, Planwirtschaft oder eine Namensänderung des Viertels? Bei ambitionierten Ideen wird die Gründung einer Bürgerinitiative empfohlen.

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