Größtes Kickerzentrum der Welt eröffnet

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Drehen erwünscht, Kurbeln verboten: Das neue Tischfußball-Leistungszentrum Kixx auf St. Pauli (Bild: L. Oehmsen)

Drehen erwünscht, Kurbeln verboten: Das neue Tischfußball-Leistungszentrum Kixx auf St. Pauli (Bild: L. Oehmsen)

Rikko Tuitjer passt den Ball blitzschnell vom Mittelfeld in den Sturm. Er spielt den Ball in die Mitte und beobachtet die Aufstellung der gegnerischen Verteidiger und des Torwarts. Nach einem Moment der Stille erfüllt ein lauter Knall den Raum und Tuitjers Spielpartner Knuth Strecker bleibt nur, einen kleinen blauen Würfel am Torzähler zu verschieben. Es steht 1:0 für Tuitjer.

Der Trubel um die Eröffnung der neuen Kicker-Spielstätte Kixx am Nobistor ließ ihn in den vergangenen Tagen kaum zur Ruhe kommen, doch jetzt findet er zum ersten Mal wieder Zeit für seine Leidenschaft.

Der Kicker hat Rikko Tuitjer nie mehr losgelassen seit seinen ersten Spielen in der legendären Kneipe Hinkelstein im Uni-Viertel. Dort trafen sich die besten Spieler Hamburgs. „Und da die so viel besser waren, habe ich den Ehrgeiz entwickelt: Das will ich auch mal können, da will ich auch mal hin“, sagt Tuitjer. Es gab allerdings nicht viele gute Spieler und so fehlten schon bald neue Herausforderungen und Gegner: „Immer gegen dieselben zu spielen ist natürlich langweilig.“

Deshalb gründete der 36-Jährige mit seinen Freunden Knuth Strecker, Björn Brose, Matthias Meier und Björn Krutzki schon im Jahr 2006 mit dem Tischfußballverband Hamburg (TFVHH) die Hamburger Tischfußball-Regionalliga. Und ahnte nicht, welchen Aufschwung der Sport erleben würde: „Wir haben mit Mühe und Not sieben Mannschaften zusammenbekommen und einfach eine Liga gestartet.“

Mittlerweile ist aus dem Kneipen-Zeitvertreib, den es schon seit den 60er-Jahren in Deutschland gibt, ein ernst zu nehmender Sport geworden. Und eine gewaltige Aufgabe für die Ligabetreiber: Heute spielen in Hamburg 550 gemeldete Mitglieder aus 58 Mannschaften in der 1., 2., 3. und 4. Liga. Damit ist Hamburg der viertgrößte Verband hinter Berlin, Niedersachsen und dem traditionell größten deutschen Kicker-Bundesland Saarland, wo schon mehr als 2000 Spieler organisiert sind.

Vor allem auf St. Pauli, wo heute unzählige Tische an geselligen Orten zur Verfügung stehen, wächst die Gemeinschaft besonders schnell. Die Profi-Szene mischt sich mit den Amateuren, während Ligaspieler in anderen Bundesländern oft eher unter sich bleiben.

In Hamburg ist es in kaum einer anderen Sportart so einfach, gegen Deutsche Meister oder gar Weltmeister aus der Hansestadt anzutreten. Außerdem spielen zwei Hamburger Mannschaften in der 1. Bundesliga. Neben „Cim Bom Bom“ auch Tuitjers Mannschaft „Die Maschinerie“. Da jeder ohne teure Investitionen mit Kickern anfangen kann und die Tische an immer mehr Orten verfügbar sind, nimmt die Zahl der Spieler schnell zu.

Da der seit 2007 bestehende Kicker-Keller an der Talstraße dem Andrang nicht mehr gewachsen war, wurde jetzt nach zwei Jahren Vorbereitung das neue Tischfußball-Zentrum des Vereins „Kickern in Hamburg“ eröffnet. „Wir hatten 300 neugierige Gäste an dem Abend“, sagt Liga-Mitbegründer Knuth Strecker, 34, der auch Trainer und Kapitän der Nationalmannschaft ist. 16 Tische stehen auf knapp 300 Quadratmetern in drei Bereichen in der neuen Spielstätte am Nobistor 38 und machen das Kixx somit zur weltweit größten Tischfußball-Location.

„Das gibt es sonst nicht und sucht seinesgleichen. Es soll hier aber auch gemütlich sein und keine Turnhalle, die weiß gestrichen ist und in der Leute mit Schweißbändern stehen“, sagt Tuitjer. „Es ist aber nicht nur eine Ligaspielstätte. Jeder kann vorbeikommen, ob Anfänger oder Profi, Frau oder Mann, Jung oder Alt. Was die Technik angeht oder die Veranlagung, da gehört nicht viel dazu. Es geht einfach darum, Spaß zu haben und an den Stangen zu drehen.“

Wer im Tischfußball doch mehr erreichen und bei den Profis mitspielen möchte, muss zunächst die Technik mit den Händen beherrschen. Und sich dann im Spiel mit der richtigen Strategie durchsetzen: „50 Prozent beim Kickern sind reine Kopf- und Nervensache. Und das ist auch ein bisschen der Reiz an dem Ganzen“, sagt Tuitjer. „Man muss sehr viel nachdenken, überlegen, den Gegner einschätzen und studieren, was er macht. Und die Ruhe bewahren. Vor allem im Profisport, da geht es am Ende darum, wer cleverer ist.“ Neben dem Ligabetrieb will „Kickern in Hamburg“ weitere Projekte beginnen. Außer regelmäßigen Turnieren und Training für alle Interessierten soll auch eine Jugendförderung ins Leben gerufen werden. Da Tischfußball auch vermehrt in der Sozialarbeit Anwendung findet, will Rikko Tuitjer Jugendeinrichtungen und Schulen unterstützen. Für die Jugendarbeit bildet der Verein eigens Trainer aus, die auch in Kursen Jugendleiterkarten erwerben.

Kickern als Mannschaftssport kommt hier ein besonderer Stellenwert zu. „Den Kindern sind am Tisch und quasi dazu gezwungen, sich miteinander zu beschäftigen. Sie spielen gegeneinander, entwickeln Ehrgeiz und können sich auch abreagieren“, sagt Tuitjer. „Das ist sehr förderlich und deshalb wird es in Zukunft auch immer mehr Einrichtungen geben, die Kickertische haben. Die Nachfrage ist sehr groß.“ Auch eine Betriebssportliga für Unternehmen ist in der Planung.

Die Liga-Macher hoffen aber auch auf neue Spieler, die selbst einen Verein mit zwei oder drei Tischen aufmachen. Tuitjer hätte dann vielleicht mehr Zeit, um öfter selber zu spielen. Genügend starke Gegner gibt es mittlerweile.

Matthias Kahrs

Die Öffnungszeiten im Internet: www.kixx-hamburg.de

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