Zu Beginn der Tour teilen die beiden Organisatoren, die sich bei den Projekten Park Fiction und No-BNQ engagieren, erst einmal Arbeitsblätter aus. Zu jeder der insgesamt acht Stationen sollen Fragen beantwortet werden. Unter anderem soll man sich Gedanken machen, welche Ideale einer Epoche an dem besuchten Haus oder Ort ablesbar sind, oder welches Element den Ort oder das Haus am besten charakterisiert.
Und nach der kurzen Einweisung geht es dann auch los. Mit Blatt und Stift bewaffnet soll sogleich der Park Fiction analysiert werden. „Ein Zeichen für flache Hierarchien“, „New Economy Bewegung“, „Natur“, „Sterilität“, rufen die Hobbyanalytiker ihre Assoziationen in die Menge. Und das trifft auch gut den Kern des Rundgangs: Mitmachen statt Zuhören. Als nächstes ist die Elbphilharmonie dran. „Gigantismus“, „Image“, „Leuchtturm“ schallt es aus den Reihen. Und schnell wird klar: die Tour soll den Teilnehmern Gegensätze, die es auf St. Pauli zuhauf gibt, aufzeigen.
Als nächstes bewegt sich die Gruppe Richtung Hafenstraße. Das Wohnprojekt „Plan B“ soll unter die Lupe genommen werden. Dass die blau-grüne Wandfassade des eher kargen 90er Jahre Baus das Wort „NEIN“, formt, überrascht viele Teilnehmer.
Genau gegenüber befindet sich ein schickes Haus aus der Gründerzeit – wieder ein Gegensatz, der für St. Pauli steht. Das „Kachelhaus“, in dem sich früher Harrys Hafenbasar und später das Erotic Art Museum befand, besticht nicht gerade durch seine Schönheit. Aber dennoch gehört es als Relikt aus der Nachkriegszeit zu dem Stadtbild dazu.
Die sechste Station ist das Brauquartier, in dem sich das Copper House und das Empire Riverside Hotel mit der 20 up Bar befinden.
Die meisten der Teilnehmer können sich mit diesem Bauprojekt so gar nicht anfreunden und geben laut ihren Unmut bekannt. Von einem Bauprojekt, das erst vor fünf Jahren „Richtfest“ gefeiert hat, geht es zu einem Projekt, das, wenn es nach dem Willen verschiedener Leute geht, bald „Abrissfest“ feiern soll, nämlich zu den ESSO-Häusern. Und auch hier sind wieder deutlich die Kontraste zu sehen. Die ESSO-Häuser vor den Tanzenden Türmen und der Kulisse der Spielbudenplatztribünen.
Und hier hat der Rundgang dann auch sein Ende. In 90 Minuten erlebten die Teilnehmer eine kurze Exkursion durch die verschiedenen Epochen, Ideologien und politischen Ausrichtungen dieses Quartiers voller Gegensätze. Und so Mancher wird sich in Zukunft die Hamburgs Häuserfassaden ein wenig genauer ansehen.
Christina Lachnitt










