Runder Tisch zu den „Esso-Häusern“: Neue Verhandlungen in zwei bis drei Wochen

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Es bleibt weiterhin unklar, ob die bekannte Esso-Tankstelle und die umliegenden Gebäude am Rande der Reeperbahn abgerissen oder saniert werden sollen (Bilder: S. Simic)

Es bleibt weiterhin unklar, ob die bekannte Esso-Tankstelle und die umliegenden Gebäude am Rande der Reeperbahn abgerissen werden (Bilder: S. Simic)

Die Zukunft der „Esso-Häuser“ an der Hamburger Reeperbahn ist weiterhin nicht klar. Es ist nach wie vor offen, ob die rund 110 Wohnungen über der berühmten Esso-Tankstelle auf St. Pauli abgerissen oder saniert werden sollen. Eine Entscheidung kam beim Runden Tisch vom 31. Oktober nicht zustande, an dem sich Vertreter des Bezirks, der „Initiative Esso Häuser“, der Anwohner und Gewerbe, und des Investors Bayrische Hausbau getroffen hatten. In zwei bis drei Wochen wollen die Betroffenen nochmals miteinander diskutieren, diesmal in einem kleineren Kreis.

„Zunächst soll ein gemeinsames Gutachten erstellt werden“, erklärt Zlatko Bahtijarevic, Inhaber des Planet Pauli am Spielbudenplatz 7 und Mitglied der „Initiative Esso Häuser“. „Im Vorfeld müssen wir uns aber mit den Investoren und Politikern auf einen Gutachter einigen.“ Dieser soll klarstellen, ob ein Abriss der Gebäude in der Tat notwendig ist oder ob eine Sanierung nicht mehr Sinn machen würde. Zurzeit gibt es zwei widersprüchliche Gutachten, die jeweils vom Investor und von der Initiative beantragt wurden.


"Kein Abriss hier" fordern die Anwohner der "Esso-Häuser"

"Kein Abriss hier" fordern die Anwohner der "Esso-Häuser"

Die Gesellschaft Bayerische Hausbau, die das gesamte „Esso-Areal“ vor zwei Jahren gekauft hat, plant seitdem, die umliegenden Gebäude, inklusive der Gewerbe am Spielbudenplatz, abzureißen. Ein von der Immobilienfirma selbst in Auftrag gegebenes Gutachten hatte anschließend den angeblichen maroden Zustand des Gebäudes bestätigt. Durch dieses Gutachten sollte die Notwendigkeit eines Abrisses bekräftigt werden.

Dagegen wehrt sich die „Initiative Esso Häuser“ vehement. Sie fordert ihrerseits eine Sanierung der bestehenden Gebäude und befürwortet eine vorsichtige Nachbebauung, die auf dem Grundstück in ihren Augen möglich ist. Der neue Wohnraum müsse allerdings günstig sein. „Laut unserem Gutachter sind die Häuser sanierungsfähig“, erklärt Bahtijarevic.

Darüber hinaus setzt die Initative sich dafür ein, dass die Bewohner während der Renovierungsarbeiten ihre Wohnungen nicht verlassen müssen oder ein sicheres Rückkehrrecht erhalten. „Ein Neubau würde vier bis fünf Jahre dauern und es ist fraglich, ob die älteren Bewohner das Geld und die Energie haben werden, um nach dieser Zeit zurückzukehren“, gibt Bahtijarevic zu bedenken.

„Laut einer Studie ist eine Sanierung immer günstiger als ein Abriss und Neubau“, erklärt Janne Kempe von der Gemeinwesenarbeit (GWA) St. Pauli. „Es ist klar, dass nicht so eine hohe Wertsteigerung für die Investoren dabei herauskommt, wie sie es mit Abriss und Neubau erreichen könnten, aber es geht hier schließlich um die Leute aus dem Stadtteil“, sagt Kempe.

Die Initiative gab am Dienstagmorgen bekannt, dass der Investor ursprünglich geplant hätte, den Mietern in den „Esso-Häusern“ nach dem Rundtischgespräch am Montagabend einen Aufhebungsvertrag zukommen zu lassen, der jedoch nach Ansicht einer Mietexpertin von „Mieter helfen Mietern“ kein gesichertes Rückkehrrecht in mögliche Neubauten gewährleistet hätte und somit die rechtliche Stellung der Mieter verschlechtert hätte. Laut Bernhard Taubenberger, Kommunikation- und Marketingleiter bei Bayerische Hausbau GmbH, sei diese Aussage falsch. „Richtig ist vielmehr, dass wir einen ersten Entwurf einer Mietervereinbarung ausgearbeitet und diesen verschiedenen Experten – darunter auch denen von Mietern helfen Mietern – mit der Bitte um Kommentierung zukommen lassen haben. Das Feedback hat uns gezeigt, dass der erste Entwurf unsere gegebenen Zusagen noch nicht zufriedenstellend abbildet. Die finale Version einer Mietervereinbarung, die im Falle einer Projektentwicklung vorgelegt werden wird, wird dies tun.“

Von der Politik erwartet die Initiative „die ernsthafte Umsetzung der Ziele der Sozialen Erhaltensverordnung“. „Unter der sozialen Erhaltensverordnung ist ein Abriss nur unter zwingenden wirtschaftlichen Gründen zu rechtfertigen und die sind hier nicht gegeben“, erklärt Kempe von der GWA St. Pauli. Der Bau- und Stadtplanungsausschuss müsse ebenfalls verstärkt in die Diskussionen miteinbezogen werden.


Sanja Simic


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