Santa Fu-Kollektion auf dem Weihnachtsmarkt Santa Pauli

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Rainer (l.) und Sönke Meergarten führen den Stand auf dem Weihnachtsmarkt (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Rainer (l.) und Sönke Meergarten führen den Stand auf dem Weihnachtsmarkt (Bilder: A. Eser-Ruperti)

Vor fünf Jahren wurde die „Knast-Marke“ Santa Fu gegründet. Dieses Jahr werden die Produkte zum ersten Mal auf dem Santa Pauli Weihnachtsmarkt verkauft. Das Projekt ist eine Kooperation der bekannten Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel – im Volksmund auch „Santa Fu“ genannt – der Justizbehörde Hamburg und Unternehmern aus der Kreativbranche.

„Santa Fu auf Santa Pauli, das klingt doch schon perfekt“, sagt Sönke Meergarten, 40, der den Stand auf dem Weihnachtsmarkt mit seinem Vater Rainer, 69, betreibt und den Online-Shop für die Marke „Santa Fu“ leitet. „Außerdem finde ich, dass die Marke sehr gut nach St. Pauli passt, besser als zum Beispiel auf den Rathausmarkt“, sagt er lächelnd.

Der Stand ist am oberen Ende des Weihnachtsmarktes, nahe der U-Bahnstation St. Pauli gelegen. Trotz früher Uhrzeit und miserablen Wetters – zwei Grad und Dauerregen – kommen viele Leute am Stand vorbei, bleiben stehen und lassen sich die Produkte und die ungewöhnliche Marke erklären. Eine Weihnachtsmarktbesucherin interessiert sich für das Gesellschaftsspiel „Alarm“, das von den Inhaftierten selber entwickelt wurde. Eine andere Frau sucht nach einem Weihnachtsgeschenk und lässt sich verschiedene Pullis mit Aufschriften wie: „Auf Bewährung“ oder „Freigänger“ zeigen.


Alle Produkte werden von den Häftlingen selber hergestellt

Alle Produkte werden von den Häftlingen selber hergestellt

„Die Resonanz hier auf dem Markt ist durchweg positiv. Viele Leute fragen nach, finden das Projekt toll oder interessieren sich für die Ware, auch wenn sie den Hintergedanken gar nicht kennen“, sagt Sönke Meergarten. Vor zwei Jahren wurde die Santa Fu-Kollektion schon einmal am Hafengeburtstag verkauft. „Das lief super und hier auf dem Weihnachtsmarkt können wir noch einmal neue Kunden ansprechen“, sagt Meergarten. Außerdem sehe man im Online-Shop nur Namen und Adressen, könne sich aber nichts darunter vorstellen, wer die Menschen sind, fügt er hinzu.

Die Auswahl der Ware von Santa Fu ist vielfältig: T-Shirts mit Aufschriften wie „Lebenslänglich“, oder „wieder frei“ werden genauso verkauft wie ein Memory-Spiel mit Bildern von Tattoos der Insassen oder das Pflegeset „bleib sauber.“ „Die Produkte haben alle eine hintergründige, doppeldeutige Aussage. Frauen tragen das T-Shirt ‚lebenslänglich’ zum Beispiel oft bei ihrem Junggesellenabschied. `Wieder frei’ bedeutet, dass sie wieder Single sind“, sagt Sönke Meergarten.

2006 wurde das Projekt gegründet. Die Idee dazu hatten Josef Schewe, 51, und Holger Güssefeldt, 69. „Wir beide kommen aus der Kreativbranche und haben uns damals gedacht: ‚Im Knast muss es mehr Kreative und Kreativität geben’. Zur gleichen Zeit suchte die Justizbehörde Aufgaben für die Inhaftierten, da wirklich sinnvolle Beschäftigungen im Gefängnis rar sind“, erzählt Josef Schewe.


Das Kochbuch "Huhn in Handschellen" ist bei den Kunden sehr beliebt

Das Kochbuch "Huhn in Handschellen" ist bei den Kunden sehr beliebt

Alle Produkte werden von Insassen der Justizvollzugsanstalt, den sogenannten „Kreativen Zellen“ in Kooperation mit Grafikdesignern entwickelt. Die „Kreativen Zellen“ sind für die Ideenfindung zuständig. „Wir setzten uns zusammen und überlegen uns gemeinsam mögliche Produkte. Das funktioniert wirklich gut, die Kreativität der Menschen im Gefängnis ist an jedem einzelnen Stück zu erkennen“, sagt Schewe. 2007 wurde das Santa Fu-Projekt von der Initiative Deutschland – Land der Ideen für seine Kreativität ausgezeichnet.

Die Insassen von Santa Fu sind auch für die Herstellung der Produkte zuständig. „Der Großteil wird im Gefängnis hergestellt. Die Druckerei bedruckt das Memory-Spiel, die T-Shirts werden mit Hand gestempelt, das Tagebuch in der Buchbinderei gebunden“, sagt Meergarten.

Das Kochbuch „Huhn in Handschellen“ ist ein Verkaufsschlager und gleichzeitig ein schönes Beispiel dafür, wie das Projekt wiederfreigelassenen Insassen helfen kann, „draußen“ Fuß zu fassen. „Der Illustrator des Kochbuches, Sven Brauer, ist mittlerweile frei und hat mit dem gleichen Verlag ein neues Buch herausgebracht. Das Projekt hat ihm enorm geholfen und ihn bekannt gemacht“, sagt Josef Schewe. Brauer hatte schon vorher als Grafiker gearbeitet

Die Motivationen der Häftlinge, bei dem Projekt mitzumachen sind vielschichtig. „Für vieler der Inhaftierten ist das oft auch eine Art Wiedergutmachung“, sagt Schewe. 20 Prozent des Erlöses fließt an den „Weißen Ring“, der die Opfer von kriminellen Gewalttaten unterstützt. „Manche haben einfach Spaß an der Arbeit und der sinnvollen Betätigung. Für andere ist es eine Art der Selbstverwirklichung. Es ist schön für sie zu wissen, dass ihre Produkte später draußen, außerhalb des Gefängnisses genutzt werden. Die Arbeit macht sie stolz und stärkt ihr Selbstwertgefühl“, sagt Schewe.

Noch bis zum 23. Dezember wird die „Knast-Produktion“ der Santa-Fu Häftlinge auf dem Weihnachtsmarkt Santa Pauli zu bestaunen sein. Vielleicht ist für den einen oder anderen ja auch ein etwas anderes Weihnachtsgeschenk dabei.

Antonia Eser-Ruperti

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie hier.

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