Schlägt das (zugezogene) Imperium zurück?

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Anwohner-Proteste

Anwohner-Proteste

Unendlich viele politische Strömungen, zahlreiche Mentalitäten und Kulturen, verschiedenste Charaktere und Lebensanschauungen. St. Paulis komplexes Bild nach außen (und nach innen) rhetorisch unter einen Deckmantel zu packen, wäre ein Wagnis, das mich in politische und gesellschaftliche Fettnäpfchen springen lässt – und zwar mit beiden Füßen und voller Wucht. Das ewige Thema der “Gentrification” beherrscht die Diskussion zwischen alt und jung, Neuen und immer da Gewesenen, Bürgerinitiativen und Senat.


Protest-Sticker

Protest-Sticker auf der Häuserwand

Trotzdem ein Versuch der bebilderten Momentaufnahme. Dieser Sticker (gefunden an der Rückwand der Hafenstraße, Höhe „Onkel Otto“) erregte meine Aufmerksamkeit und ließ mein “Gentrification”-müdes Lächeln wieder wacher werden.


Onkel Otto

Kneipe Onkel Otto

War es bisher immer den linksliberalen Bewohnern St. Paulis vergönnt, jegliche Missstände im Viertel anzuprangern, scheinen nun die ungeliebten Yuppies ebenso kreativ, zynisch, ja, geradezu provokant zurück zu schlagen – wenn sie es denn sind, die mit diesem klebrigen Meilenstein der komplexen Diskussion um die Neuausrichtung St. Paulis den bitteren Ernst nehmen. Frei nach dem Motto: Wenn’s sonst keine Probleme gibt.

Vorstellen kann ich mir auch einen noch phantasievolleren Akt der „anderen Seite“ – möchten die gegen die Aufwertung kämpfenden Traditionalisten mit dem Sticker die Kultivierung des Alternativen, des Aufstands und die damit verbundene feindliche Übernahme des revolutionären St. Pauli-Charakters durch die Zugezogenen verhöhnen? Auch hier gelte dann: Well done!

Aber meine erste Vermutung war zunächst, dass sich auch die neuen Bewohner gewappnet für den kreativen Kampf der Worte um das Viertel zeigen. Meine Stimme, meine Sympathie, geschweige denn mein Verständnis zur Aufwertung des Viertels bekommen sie nicht. Gerade die Hafen-City kommt mir immer kalt wie winterlicher Elbwind und uncharmant wie manch Hamburger Politiker vor. Zugegeben, die Hafen-City ist (noch) nicht St. Pauli. Aber leider ähneln diverse Neubauten auf St. Pauli dieser künstlichen Loft-Penthouse-TownHouse – ach, was weiß ich – Bauweise.

Trotzdem: Meine Hochachtung für diesen Sticker voller Selbstironie, St. Pauli-Geschichtsbewusstsein und „langer Nase“ gegenüber den Traditionalisten – oder doch gegenüber denen, die nach St. Pauli ziehen, damit sie beim Sonntagsbrunch zwischen Maxi-Cosis, BoConcept-Möbeln und Fair Trade-Kaffee ehrfurchtsvoll angestarrt werden, da sie sich ja ein „Stück Jugend bewahrt haben.“

Egal für wen, von wem – ein kleines Stück klebriges Papier mit gehörig sarkastischem Zündstoff, interpretierbar in viel zu viele Richtungen …

Ole Zeisler

(Anmerkung des Autors: Der Aufkleber dieses Aufklebers kann mir gerne Aufschluss geben – neugierig bin ich ja schon.)

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Eine Antwort auf Schlägt das (zugezogene) Imperium zurück?

  1. Tom sagt:

    Nein! Ich bin`s nicht – der Aufkleber des Aufklebers. Auf jeden Fall werde ich immer mal reinschauen, ob er sich gemeldet hat mit einem Kommentar. Das wär`s!

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