Wo Frauen führend sind – jedenfalls für ein paar Stunden

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Die Bremerinnen Tanja Müller (links), 36, und Helga Großmann, 42 (Bild: A. Ott)

Die Bremerinnen Tanja Müller (links), 36, und Helga Großmann, 42 (Bild: A. Ott)

Es ist längst Tradition: Einmal im Jahr steigt in Hamburg der Frauenball. Auch am Sonnabend kamen wieder mehr als 600 tanzbegeisterte Frauen zu der Veranstaltung ins CCH. Letzteres war zur „männerfreien Zone“ erklärt worden, und so war auch das Personal ausschließlich weiblich.

Seit 1986 findet das Tanzereignis in Hamburg statt. Ins Leben gerufen hatten es 1986 Karin Wilsdorf, 67, und ihre Lebenspartnerin Linda Schlüter, 55. „Wir waren damals schon eine ganze Weile stark in der Frauenbewegung engagiert und wollten neben der ganzen politischen Arbeit einfach mal etwas Schönes für Frauen organisieren“, erinnert sich Karin Wilsdorf. Am Anfang wurde in günstigen Mensen getanzt, später im Curio-Haus, dann im CCH. „Die Frauen kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus Dänemark, Österreich und der Schweiz“, sagt Wilsdorf. Nicht alle seien lesbisch, viele tanzten einfach lieber mit Frauen.

Auch dieses Mal wurde im CCH bis in die frühen Morgenstunden zur Musik von DJane Denise geschwoft: Walzer, Foxtrott und Tango, Rumba und Cha-Cha-Cha. „Frauen, die gerne tanzen, haben in Hamburg viel zu selten die Gelegenheit dazu“, sagt Maren Haker-Lu, 60, aus Eppendorf, die bereits zum fünften Mal beim Frauenball dabei war. Regina Böckelmann, 49, war aus Dortmund angereist und zum ersten Mal dabei. „Ich tanze lieber mit Frauen, weil ich gerne die Führung übernehme“, sagt sie. Carola Ising, 51, war mit ihrer Lebensgefährtin Christine Rüffert, 55, aus Bremen gekommen. „Ich freue mich über die Gelegenheit, ausgiebig Standard und lateinamerikanisch tanzen zu können“, sagt sie. Tanzlehrerin Irma Bunge, 51, gehört zu den Pionieren des Balls – sie ist von Anfang an dabei. „Mit Frauen zu tanzen ist sehr angenehm“, sagt sie. „Männer haben eine ganz andere räumliche Präsenz. Außerdem sind Frauen besser angezogen.“

Lange Abendkleider waren auf dem Ball, der unter dem Motto „Swinging Sixties“ stand, jedoch eher die Ausnahme – stattdessen sah man viele kürzere Kleider, aber auch Hosenanzüge und sogar Fräcke.

Die Höhepunkte des Frauenballs waren der Auftritt von Rockröhre Inga Rumpf, die Mitternachts-Tanzshow der amtierenden Weltmeister im Standardtanz der Frauenpaare und natürlich die Tombola. Deren Erlös kommt traditionell Frauenprojekten zugute – der Malder Frauenstiftung Filia, die Frauen- und Mädchenprojekte im Ausland unterstützt, sowie der Kemenate, einer Hamburger Tagesaufenthaltsstätte für obdachlose Frauen.

Gewinnen konnte frau verschiedene Reisen zu „Frauenferienorten“ – etwa auf Kreta, in Andalusien, im Harz oder an der Ostsee.

Friederike Ulrich

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Ein Kommentar zu Wo Frauen führend sind – jedenfalls für ein paar Stunden

  1. Nadja Galwas sagt:

    Wieso sind Frauen nur für ein paar Stunden führend?? Soweit ich weiß tun Frauen dies das ganze Jahr über! Vielleicht sollten sich die Abendblatt-Redakteurinnen & Redakteure zu dem Thema saisonal bewegen, dann wüssten sie’s. Warum Frauenferienhäuser, die es seit mehr als 30 Jahren gibt in “ “ geschrieben werden, verstehe ich auch nicht. Naja, immerhin ein netter Bericht über das schöne und beliebte Event.

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