“Nach dem Aus für das Hafenkrankenhaus war für uns klar, dass mindestens so etwas wie das Gesundheitszentrum entstehen müsste”, blickt Reinhard Laskowski, der Sprecher des Vorstands des Trägervereins “Gesundheitszentrums St. Pauli”, zurück. Damals hatten viele Initiativen für einen Erhalt des ehemaligen Krankenhauses protestiert. Ein völliger Ausfall der traditionsreichen Versorgungseinrichtung im Stadtteil zwischen Landungsbrücken und Reeperbahn war vielen in der Hansestadt ein Dorn im Auge. Der Kompromiss: Auch wenn das Krankenhaus nicht weiter betrieben wird, soll das Gelände für medizinisch-therapeutische Zwecke genutzt werden. Vier Jahre nach der Schließung des Hafenkrankenhauses konnten im September 2001 die neue Institution als “Gesundheitszentrum St. Pauli” an den Start gehen.
Auch wenn erst mühsam die Dinge ins Laufen kamen, ist das Zentrum heute einerseits eine zentrale Anlaufstelle für Menschen, die sich Linderung ihrer Leiden versprechen oder etwas präventiv tun wollen. Andererseits gibt es vielfältige Beratungsangebote, Obdachlosenhilfen und eine Ambulanz für Notfälle. Sport und Wellness ergänzen den ganzheitlichen Anspruch. 200.000 Besucher kommen jährlich in die Praxen und Therapieeinrichtungen: “Wir sind in dieser Form bundesweit einzigartig. Der Mensch soll bei uns im Fokus stehen”, stellt Laskowski klar. Im Zentrum profitieren Besucher und Fachleute vom Austausch – der auch schon mal im zentral gelegenen Café “Haus 5″ in der Mittagspause stattfindet. “Hier kann man schnell mal einen Kollegen um Rat fragen oder sich über neue Therapieansätze austauschen”, erklärt Laskowski.
Laskowski hat selbst eine Praxis auf dem Gelände: der Heilpraktiker ist Experte für traditionelle chinesische Medizin. Zu ihm kommen auch viele Patienten, die als “austherapiert” gelten. “Ich will die Schulmedizin nicht völlig verurteilen, aber in vielen Fällen werden immer noch nur Symptome behandelt. Der Fokus müsste auf die Prävention gelegt werden. Dazu ist es wichtig, sich genügend Zeit für die Patienten zu nehmen – und die wird im Gesundheitssektor immer knapper.”

Der Eingang zum Gesundheitszentrum: Die überdachte Pforte führt zu den insgesamt sechs Häusern des Zentrums
Bei manchen Hilfsbedürftigen ist schon ein warmes Essen die beste Medizin. Das “CaFée mit Herz” und die Krankenstube für Obdachlose sind stadtweit bekannte Einrichtungen des Gesundheitszentrums. “Die Hemmschwelle ist hier nicht so groß wie zum Beispiel in einem Krankenhaus”, sagt Laskowski. Doch damit solche medizinischen und therapeutischen Hilfen im Zentrum angeboten werden können, sind die meisten von Spenden und staatlichen Förderungen abhängig.
Ein großes Projekt mit vielen Helfern ist dem “Chon-Jie-In Haus Hamburg” auf dem Gelände gelungen. Der Verein bietet “Shinson Hapkido” an – ein aus Korea stammendes Entwicklungs- und Bewegungstraining für jedes Alter. “Vom Krabbelalter bis zum Greis”, sagt Lehrmeister und Projektleiter Uwe Bujack verschmitzt. Mit viel Liebe zum Detail hat der Verein das ehemalige Krankenhaus-Gebäude über Jahre in einen tempelartigen Do-Jo verwandelt. Es wird laut während des Interviews, in der ersten Etage leitet Lehrerin Mandy Megies die Jüngsten an. “Ganz spielerisch, aber wichtig, um das eigene Körpergefühl kennen zu lernen. Das kann für das spätere Leben entscheidend sein”, erklärt Bujack. Als es dem Seniorenstift gegenüber einmal zu laut wurde, lud der Verein kurzerhand zu einer Präsentation ein. Faszination war die Folge – seitdem gibt es eine Seniorengruppe. “Unsere ältesten Teilnehmer sind weit über 80″, sagt Bujack stolz. Auch zum Jubiläum präsentieren sich die Trainingsgruppen. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen.
Geburtstagsfeier “Zehn Jahre Gesundheitszentrum St. Pauli”: Sonnabend, 24. September, 12.00 bis 17.30 Uhr, Seewartenstraße 10, Infos auf der Webseite des GZ St. Pauli
Daniel Conrad





